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Fünf Minuten mit... Andreas Kammann.

Publiziert 13 Mai 2026

Moderner Forschungslabor-Korridor für Energietechnologien mit Prüfständen, Reinraumoberflächen und hochmoderner technischer Ausstattung.

Wir sprechen mit Andreas Kammann über seinen ungewöhnlichen Weg in die Laborplanung, die Bedeutung von Flexibilität und warum erfolgreiche Labore nicht mit Grundrissen beginnen, sondern mit den richtigen Fragen.

Was hat dich dazu inspiriert, eine Karriere in der Laborplanung einzuschlagen?

Mein Weg in dieses Feld war nicht gerade traditionell. Ich plane seit mehr als 20 Jahren Labore in Kontinentaleuropa, habe aber eigentlich keinen ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund – ich bin Biologe.

In vielerlei Hinsicht war das ein Vorteil. Da ich in und rund um Labore gearbeitet habe, verstehe ich, wie sie im Alltag funktionieren, und kann mich gut in die Menschen hineinversetzen, die sie nutzen. Talentierte Architektinnen und Architekten können visuell beeindruckende Gebäude schaffen – oft fehlt ihnen jedoch die praktische Erfahrung eines echten Laboralltags, und genau diese Wissenslücke kann einen grossen Unterschied machen.

Wenn man diese praktische Erfahrung mit Kunden teilt, werden Gespräche von Anfang an deutlich zielführender. Man spricht dieselbe Sprache, was dabei hilft, Vertrauen aufzubauen und letztlich zu besseren Ergebnissen führt.

Neben der Qualitätssicherung liegt mein Fokus heute typischerweise auf den frühen Projektphasen – Machbarkeitsstudien, Konzeptplanung und der grundsätzlichen Ausrichtung eines Projekts. Dort werden die wichtigsten Entscheidungen getroffen, und wenn man sie richtig trifft, prägt das alles, was danach kommt.

Welche Aspekte sind für eine gute Laborplanung entscheidend?

Wenn ich es auf zwei zentrale Punkte reduzieren müsste, wären das Flexibilität und vorausschauendes Denken. Ein erfolgreiches Projekt beginnt nicht mit Layouts oder technischen Lösungen – es beginnt damit, die richtigen Fragen zu stellen. Was müssen die Menschen in diesem Raum tatsächlich tun? Wie sehen ihre Prozesse, Arbeitsabläufe und Ziele aus? Erst wenn man das wirklich versteht, entstehen sinnvolle Anforderungen.

Genau hier wird Flexibilität entscheidend. In Bereichen wie den Life Sciences können sich Forschungsschwerpunkte unglaublich schnell verändern. Ich habe an Laboren gearbeitet, in die die ursprünglich vorgesehenen Nutzende am Ende nie eingezogen sind. Wenn eine Einrichtung zu spezifisch geplant wurde, kann sie schnell veraltet sein. 

Stattdessen sollte das Ziel sein, ein Labor zu schaffen, das sich im Laufe der Zeit anpassen kann – nicht nur für die erste Nutzung, sondern auch für zukünftige Anforderungen. Es geht darum, etwas zu planen, das nützlich bleibt, selbst wenn sich Anforderungen verändern.

Wie schaffst du die Balance zwischen Flexibilität und den spezifischen Anforderungen der Kunden?

Flexibilität bedeutet oft, Fähigkeiten oder Möglichkeiten bereits einzuplanen, bevor man überhaupt weiss, dass man sie benötigen wird – zum Beispiel durch sinnvoll integrierte Schnittstellen innerhalb des Designs. Labore müssen in Bezug auf ihre technischen Versorgungen anpassungsfähig sein, sei es bei zusätzlichen Gasen, unterschiedlichen Medien oder veränderten Anforderungen an die Lüftungstechnik. Wenn sich diese Systeme anpassen oder erweitern lassen, kann sich auch der Raum weiterentwickeln, ohne dass grössere Eingriffe notwendig werden.

Ich bin ein grosser Verfechter davon, von innen nach aussen zu planen. Man beginnt damit, wie das Labor funktionieren soll, und baut alles darum herum auf. Besonders modulare Layouts können sehr effektiv sein, und durch konsistente rasterbasierte Einheiten lassen sich Räume im Laufe der Zeit einfacher umgestalten.

Letztlich geht es darum, die richtige Balance zu finden: das umzusetzen, was heute benötigt wird, und gleichzeitig Raum für etwas völlig anderes morgen zu schaffen. 

Wie hat sich die Laborplanung im Laufe der Zeit verändert?

Interessanterweise haben sich die Grundlagen der Laborplanung nicht dramatisch verändert. Verändert hat sich vielmehr der Kontext darum herum. Wir erleben mehr Automatisierung, einen zunehmenden Einsatz von Robotik und hochspezialisierte Forschungsumgebungen mit neuen technischen Anforderungen. Die Herausforderung liegt dabei nicht unbedingt in der Innovation selbst – sondern darin, sie in ein Gesamtsystem zu integrieren, das als Ganzes funktioniert.

Hier spielt Erfahrung eine wichtige Rolle. Mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür, wie sich frühe Entscheidungen später im Projektverlauf auswirken werden.

Auch unser Umgang mit Risiken hat sich verändert. Heute sind fundierte Risikoanalysen selbstverständlich – insbesondere wegen der eingesetzten Materialien und Prozesse. Ein starkes Verständnis für Stoffe, Sicherheitsanforderungen und betriebliche Auswirkungen ist essenziell, um eine Planung zu entwickeln, die von der Vorplanung bis zur Übergabe zuverlässig funktioniert. 

Was sind die grössten Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit Kunden?

Eine der häufigsten Herausforderungen ist der Wunsch, das zu reproduzieren, was bereits existiert. Oft hören wir: „Wir wollen dasselbe Labor – nur grösser.“ Die Schwierigkeit dabei ist, dass viele Labore sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, anstatt bewusst geplant worden zu sein. Das bedeutet, dass sie häufig Ineffizienzen oder Einschränkungen mit sich tragen, die nicht sofort offensichtlich sind. 

Wenn man diese Umgebung einfach reproduziert, übernimmt man auch genau diese Probleme. Man erhält möglicherweise ein technisch einwandfreies Labor, das die eigentlichen Probleme jedoch nicht wirklich löst. Ein Teil unserer Aufgabe besteht deshalb darin, diese Annahmen zu hinterfragen – den Blick zu erweitern und alternative Arbeitsweisen aufzuzeigen. Ein Labor ist nicht nur ein physischer Raum; es ist ein integriertes System, in dem Architektur, Ingenieurwesen und Betrieb zusammenspielen müssen.

Selbst mit einem starken Team ist Koordination entscheidend. Ohne sie können frühe Entscheidungen abgeschwächt werden oder verloren gehen – und genau dort beginnt die Qualität nachzulassen.

Was hast du in mehr als 20 Jahren gelernt – und welchen Rat würdest du anderen geben?

Das klingt vielleicht etwas provokant, aber mein Ziel ist nicht, das umzusetzen, worum Kunden bitten, sondern das, was sie tatsächlich brauchen. Und diese beiden Dinge sind nicht immer dasselbe.

Um dorthin zu gelangen, muss man gerade am Anfang Zeit investieren – Prozesse verstehen, Fragen stellen und sich wirklich damit auseinandersetzen, wie der Raum genutzt werden soll. Ein erfolgreiches Labor ist nicht nur technisch korrekt – es funktioniert auch in der Praxis, Tag für Tag, und kann sich an veränderte Anforderungen anpassen. 

Menschen, die neu in diesem Bereich anfangen, würde ich raten, mindestens einmal den gesamten Lebenszyklus eines Projekts mitzuerleben. Wenn man ausschliesslich in frühen Planungsphasen arbeitet, sieht man nicht immer die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen. Gleichzeitig ist es ohne dieses Verständnis schwierig, das grosse Ganze zu erkennen. 

Einer der schönsten Aspekte meiner Arbeit ist es, zu fertiggestellten Laboren zurückzukehren und sie im Betrieb zu sehen. Mit den Menschen zu sprechen, die dort arbeiten, zu verstehen, was gut funktioniert hat – und was man beim nächsten Mal verbessern könnte. Es hat einfach etwas unglaublich Erfüllendes, ein abgeschlossenes Labor zu betreten und zu sehen, dass es genau so funktioniert, wie es geplant wurde. 

Andreas Kammann.