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Fünf Minuten mit...Sara Anild.

Publiziert 23 Juni 2026

Sara Anild in Schutzkleidung auf einer Baustelle im Energiesektor, im Hintergrund sind Kühltürme, Erdarbeiten und Anlagenausrüstung zu sehen.

Wir sprechen mit Sara Anild über ihre Leidenschaft für Kabelsysteme in der Energieübertragung, die Entwicklung des Marktes sowie ihre Arbeit und Rolle als Convener bei CIGRE.

Was hat dich dazu inspiriert, eine Karriere im Ingenieurwesen einzuschlagen?

Mein beruflicher Werdegang war nie besonders klar vorgezeichnet, aber das habe ich mit der Zeit zu schätzen gelernt. Ich bin meist meinem Bauchgefühl gefolgt und durch eine Mischung aus Neugier, Gelegenheiten und ein bisschen Zufall dort gelandet, wo ich heute bin. Während meiner Schulzeit in Schweden war Mathe immer mein Lieblingsfach, da ich von Natur aus ziemlich technisch veranlagt bin. Aber ich liebte es auch, draussen zu sein, selbst Hand anzulegen, Dinge zu bauen und zu sehen, wie sie funktionierten. Mein Interesse am Ingenieurwesen entwickelte sich während des Studiums, beeinflusst zu einem gewissen Grad von einem Dozenten, der uns sowohl die akademischen als auch die praktischen Aspekte des Berufs näherbrachte.

Mein Interesse am Ingenieurwesen entwickelte sich während des Studiums, beeinflusst zu einem gewissen Grad von einem Dozenten, der uns sowohl die akademischen als auch die praktischen Aspekte des Berufs näherbrachte. Ich war ziemlich neugierig und wollte mehr darüber erfahren, wie sich Ingenieurwesen auf das echte Leben auswirkt. Also bin ich nach dem Studium nach Grossbritannien gezogen und habe meine Karriere als Testingenieur bei einem Kabelhersteller begonnen. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto mehr wollte ich über die Entwicklung von Stromkabel-Lösungen erfahren – was mich schliesslich zu BakerHicks führte.

Was gehört zu deinen Aufgaben als Principal HV Engineer bei BakerHicks?

Ich bin Ingenieurin für Hochspannungskabelsysteme und verantwortlich für die Planung von Hochspannungskabelanlagen im britischen Stromnetz. Als Principal Engineer arbeite ich derzeit an zwei grossen Projekten – dem Aufbau einer neuen Stromautobahn zwischen England und Schottland. Dabei handelt es sich um milliardenschwere Infrastrukturprojekte, die für den Weg zu Netto-Null-Emissionen von entscheidender Bedeutung sind, da sie Schottlands erneuerbare Energieressourcen über HGÜ-Übertragungsleitungen mit einer Leistung von jeweils zwei Gigawatt erschliessen.

Mein Schwerpunkt liegt auf der Leitung und Überwachung der Planungsarbeiten. Dabei stelle ich sicher, dass die technische Auslegung fundiert ist, den Anforderungen des Auftraggebers entspricht und baulich umsetzbar ist. Ich verbringe viel Zeit damit, verschiedene Perspektiven zusammenzuführen und als Vermittler zwischen dem Kunden, dem Hersteller und dem Subunternehmer zu fungieren, um sicherzustellen, dass alle an einem Strang ziehen.

Was sind die zentralen Herausforderungen der Branche?

Der Klimawandel ist natürlich eine der grössten Herausforderungen – nicht nur für unsere Branche, sondern für den gesamten Planeten. Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass wir als Unternehmen unseren Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderung leisten, da wir an mehreren wegweisenden HVDC-Verbindungsleitungsprojekten beteiligt sind. Darüber hinaus engagieren wir uns für die Förderung von Talenten in der Branche und treiben Innovationen voran, die die Zukunft von Engineering und Design mitgestalten.

Mehrere Mitglieder unseres Hochspannungsteams sind aktive Mitglieder von CIGRE, einer weltweit tätigen Non-Profit-Organisation im Bereich der elektrischen Hochspannungstechnik. CIGRE bringt Fachleute aus aller Welt zusammen, um nationale und internationale Standards mitzugestalten. Schon seit Langem war es mein Ziel, aktiv in einer CIGRE-Arbeitsgruppe mitzuwirken. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, 2023 erstmals daran beteiligt zu sein.

Ich leite nun als Convener eine ihrer Arbeitsgruppen, die sich darauf konzentriert, die technische Broschüre zu den elektrischen Eigenschaften von Kabelsystemen zu aktualisieren und Lücken zu schliessen, die den Offshore-Windsektor betreffen. Für einadrige Landkabel gibt es etablierte Berechnungsmethoden. Bei armierten Seekabeln besteht derzeit jedoch weniger Klarheit. Unser Ziel ist es daher, klarere, belastbarere und stärker standardisierte Leitlinien bereitzustellen, die die Realitäten von Offshore-Projekten besser abbilden.

Kannst du die Rolle eines Conveners näher erläutern?

Als Convener verantworte ich den Fortschritt der Arbeitsgruppe. Dazu gehören die Organisation von Sitzungen, die fachliche Ausrichtung der technischen Arbeit und vor allem die Koordination eines Teams von rund 25 Expertinnen und Experten, damit wir fundierte Ergebnisse innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens liefern.

Die Rolle ist ehrenamtlich. Deshalb habe ich den damit verbundenen Zeitaufwand vorab mit BakerHicks besprochen, und das Unternehmen hat mich dabei ausserordentlich unterstützt. Für beide Seiten entsteht daraus ein klarer Mehrwert: Wir gewinnen globale Einblicke, starke Branchenkontakte und frühzeitige Sichtbarkeit in Bezug auf entstehende Standards.

Auch persönlich war diese Rolle eine grosse Entwicklungschance. Sie hat mich nicht nur gefordert, sondern auch zu einer besseren Ingenieurin gemacht. Die Zusammenarbeit mit Menschen aus verschiedenen Ländern, Fachrichtungen und beruflichen Hintergründen ist sehr bereichernd. Es ist zudem motivierend zu wissen, dass unsere Arbeit dazu beiträgt, weltweit mehr Einheitlichkeit und Klarheit zu schaffen.

Haben sich die Karrierechancen verbessert, seit du Ingenieurin bist?

Wir wissen, dass die Verfügbarkeit von Fachkräften zu einer immer grösseren Herausforderung wird. Einfach gesagt: Es gibt nicht genug Ingenieurskräfte in der Branche – und je nachdem, wo man landet, sind die Karrierewege für junge Talente nicht immer klar.

Bei BakerHicks stellen wir aktiv neue Absolventinnen und Absolventen ein und geben ihnen die Möglichkeit, Seite an Seite mit ausgewiesenen Branchenexpertinnen und -experten zu arbeiten. Dabei entwickeln sie parallel zu ihrem Studium Planungen für reale Projekte. Unsere interne HV Training Academy wird von einigen unserer erfahrensten Ingenieurinnen und Ingenieure geleitet. Die Mitarbeit an der Academy hat mich anfangs aus meiner Komfortzone gebracht, aber inzwischen macht sie mir grosse Freude. Die Teilnehmenden sind motiviert, engagiert und scheuen sich nicht, bestehende Branchenstandards zu hinterfragen – und genau das macht die Arbeit so bereichernd.

Das fasst wirklich zusammen, was ich an meiner Rolle im Hochspannungskabelbau liebe – ich lerne ständig dazu, werde herausgefordert und bewirke etwas, indem ich dabei helfe, kritische Herausforderungen der Branche anzugehen.