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Warum eine wertschätzende Haltung im inklusiven Design wichtig ist.

Publiziert 17 August 2026

Tactile paving on an urban street supporting accessible and inclusive pedestrian design.

In politischen Leitlinien werden «Menschen» und «Orte» häufig als Grundlagen für gelungene Strassenräume, Verkehrsnetze und den öffentlichen Raum beschrieben. In der Praxis erwecken viele Projekte jedoch nach wie vor den Eindruck, in erster Linie durch den Fahrzeugverkehr, Einschränkungen bei der Flächennutzung und Kosten bestimmt zu sein. 

Menschen ins Zentrum des Designs zu stellen, verändert diese Perspektive. Dieser Ansatz ermutigt uns, über die Einhaltung technischer Anforderungen hinauszudenken und zu berücksichtigen, wie Menschen unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Hintergründen und Bedürfnissen Orte im Alltag erleben. Genau hier ist eine wertschätzende Haltung entscheidend.

Eine wertschätzende Haltung bedeutet, den Designprozess mit bewusstem Respekt für die Menschen anzugehen, die einen Ort nutzen werden. Es geht darum, ihre Alltagserfahrungen als wesentlichen Bestandteil des Designprozesses anzuerkennen – und nicht als optionalen Zusatz. Wenn uns das gelingt, schaffen wir Orte, an denen sich Menschen sicherer, einbezogen und willkommen fühlen. Orte, die Selbstvertrauen, Wohlbefinden und ein starkes Zugehörigkeitsgefühl fördern.

Bei der Gestaltung von Orten stehen häufig zwei Kernelemente im Mittelpunkt: Bewegung und Ort. Beide sind unverzichtbar. Stehen die Menschen jedoch nicht im Zentrum, laufen wir Gefahr, Infrastruktur statt Gemeinschaften zu schaffen. Eine technisch effiziente Strasse oder ein öffentlicher Raum kann Menschen zwar durch ein Gebiet führen, trägt aber nicht zwangsläufig dazu bei, dass sie sich mit diesem Ort verbunden fühlen.

Dieser Unterschied wurde bei einer kürzlich im Rahmen der Designforschung durchgeführten Befragung einer Gruppe von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen deutlich. Im Laufe des Gesprächs hörte ich immer wieder, wie Teilnehmende bestimmte Designelemente als «unsicher» bezeichneten. Als Ingenieur:in beurteilen wir Designs anhand von Leitlinien, Normen und bewährten Verfahren. Auf dem Papier kann ein vorgeschlagenes Design sämtliche Anforderungen erfüllen.

Dann änderte sich die Wortwahl: «Ich fühle mich unsicher.»

Dieser Unterschied ist entscheidend. Ein Ort kann sämtliche technischen Anforderungen erfüllen und den Menschen, für die er gedacht ist, dennoch nicht gerecht werden. Das Gefühl der Unsicherheit beeinflusst, wie selbstsicher sich Menschen durch einen Raum bewegen, ob sie ihn überhaupt nutzen und ob sie sich dort zugehörig fühlen. 

Orte schaffen, die allen Menschen gerecht werden

Inklusives Design beginnt mit Zuhören. Als Designer und Ingenieur:in müssen wir verstehen, wie unterschiedliche Gruppen Orte in verschiedenen Lebensphasen erleben und wie diese Erfahrungen ihre Entscheidungen prägen.

Für ältere Menschen kann es besonders wichtig sein, sich sicher und mobil zu fühlen, vertrauten Routinen folgen zu können und in bekannten Umgebungen Orientierung zu finden. Jüngere Generationen legen möglicherweise mehr Wert auf Unabhängigkeit, Schnelligkeit, Identität und neue Möglichkeiten. Menschen mit Behinderungen, Eltern mit kleinen Kindern, Pendelnde sowie Personen, die zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, können dieselbe Strasse auf sehr unterschiedliche Weise erleben.

Diese Perspektiven stellen keine konkurrierenden Anforderungen dar. Oft macht eine Verbesserung für eine Gruppe einen Ort zugleich für alle besser. Klarere Wegführungen, sicherere Querungsstellen, eine bessere Beleuchtung, eine intuitivere Gestaltung und angenehmere öffentliche Räume können zu besserer Zugänglichkeit, mehr Sicherheit und einer höheren Aufenthaltsqualität beitragen.

Bei einem inklusiven Ort geht es daher nicht nur um Funktionalität. Entscheidend ist, ob Menschen ihn nutzen und verstehen und sich auf eine Weise durch ihn bewegen können, die ihre Mobilität, Selbstständigkeit und ihr Wohlbefinden unterstützt. Mit einer wertschätzenden Haltung können Designer und Planer Entscheidungen treffen, durch die Orte für alle Menschen entstehen – und nicht nur solche, die einer Norm entsprechen oder auf einer Checkliste abgehakt werden können. 

Bewusstes Design und bewusste Entscheidungen

Bei BakerHicks wird diese Denkweise durch eine Kultur getragen, die Inklusion, Zugehörigkeit und Zusammenarbeit wertschätzt. Unsere Belonging-Initiative, unsere Mitarbeitendennetzwerke und die gegenseitige Unterstützung unter Kolleg:innen im Arbeitsalltag schaffen eine starke Grundlage für inklusivere Entscheidungen.

Eine wertschätzende Haltung bedeutet nicht, unnötige zusätzliche Prozesse einzuführen. Vielmehr geht es darum, konsequent die besseren Fragen zu stellen: Wer könnte dies anders erleben? Von welchen Annahmen gehen wir aus? Funktioniert dieses Design auch in der Praxis und nicht nur auf dem Papier?

Jede Zeichnung, jede Entscheidung und jede Diskussion kann sich auf den konkreten Alltag von Menschen auswirken – auf den nächtlichen Heimweg zu Fuss, den Weg zur Arbeit, den Schulweg oder schlicht auf das Gefühl, an einem öffentlichen Ort willkommen und sicher zu sein.

Kurz innezuhalten, um diese Annahmen zu überprüfen, kann den Unterschied ausmachen zwischen einem Design, das «auf dem Papier gut genug» ist, und einem, das den Alltag der Menschen spürbar verbessert. 

Von Stephen Campopiano, Head of Transport Planning