Skip to content

Fünf Minuten mit...Kenzie McLaughlin.

Publiziert 23 Juni 2026

Kenzie McLaughlin in ihrer akademischen Abschlussrobe, wie sie ihr Abschlusszeugnis im Freien auf dem Campusrasen in den Händen hält.

Einblicke in ihren beruflichen Weg, von der Praktikantin zur Architekturtechnikerin, ihre Leidenschaft dafür, zukünftige Ingenieur:innen zu inspirieren, und ihre persönliche Bedeutung des International Women in Engineering Day. 

Kannst du uns etwas über deinen bisherigen beruflichen Werdegang erzählen?

Mein Weg ins Ingenieurwesen verlief nicht ganz traditionell. Ich bin eigentlich als Praktikant bei BakerHicks im Team „Scotland Architecture“ eingestiegen – und ich muss wohl etwas richtig gemacht haben, denn ich bin bis heute hier.  

Damals fühlte sich dieses Praktikum wie eine grosse Chance an. Es war aufregend, aber auch ziemlich einschüchternd. Rückblickend war es ein prägender Moment, weil er mir gezeigt hat, dass ich die richtige Branche gefunden hatte, und mir eine klare Vorstellung davon gab, wohin ich mich entwickeln wollte. Besonders schön ist, dass sich der Kreis einige Jahre später geschlossen hat: Heute leite ich unser Praktikums- und Industry-Support-Programm im schottischen Büro und unterstütze und inspiriere Studierende, die eine Zukunft im Ingenieurwesen in Betracht ziehen.

Ein grosser Teil dieser Aufgabe besteht darin, mit jungen Menschen und ihren Eltern über die Möglichkeiten in der Branche zu sprechen. Es liegt mir sehr am Herzen, andere zu ermutigen, Erwartungen in Frage zu stellen, das zu finden, was sie begeistert, und zu erkennen, dass eine Karriere im Ingenieurwesen allen offensteht. 

Wie bewirkt deine Arbeit etwas?

Für mich liegt die grösste Wirkung meiner Arbeit bei den Menschen, die letztendlich die von uns entworfenen Räume nutzen werden. Als Architekturtechnikerin bin ich daran beteiligt, Umgebungen zu gestalten, mit denen Menschen täglich interagieren – seien es Arbeitsplätze, Industrieanlagen oder Infrastruktur, die ganze Gemeinschaften unterstützt. Dabei geht es um viel mehr als nur Zeichnungen und technische Details. Es geht darum, sicherzustellen, dass ein Gebäude so funktioniert, wie es soll: sicher, effizient und nachhaltig.

Besonders erfüllend finde ich das Bewusstsein, dass Entscheidungen im Planungsprozess langfristige Wirkung haben. Die Weichen, die wir früh stellen, können beeinflussen, wie ein Raum funktioniert, wie Menschen ihn erleben und wie anpassungsfähig er auch in Zukunft bleibt.

Über die Projektarbeit hinaus setze ich mich leidenschaftlich für die Branche selbst ein. Ein wesentlicher Teil meiner Aufgabe besteht darin, mit Studierenden in Kontakt zu treten, an Karriereveranstaltungen teilzunehmen und dazu beizutragen, das Verständnis für die Möglichkeiten im Ingenieurwesen zu schärfen. Ich habe die Möglichkeit, Menschen zu ermutigen, Berufe in Betracht zu ziehen, die sie vielleicht nie für möglich gehalten hätten.

Letztendlich ermöglicht mir meine Rolle, auf zwei Arten etwas zu bewirken: durch die Räume, die wir mitgestalten, und durch die Menschen, die wir inspirieren. Beides ist mir gleichermassen wichtig, und beides macht diesen Beruf so bereichernd. 

Welchen Rat würdest du Mädchen oder jungen Frauen geben, die über ein Ingenieurstudium nachdenken?

Wann immer ich mit Schülerinnen, Eltern oder Lehrkräften spreche, komme ich immer wieder auf dieselbe Botschaft zurück: Findet etwas, das euch wirklich Spass macht. Mein wichtigster Rat ist ganz einfach – wenn ihr dafür brennend begeistert seid, dann macht es einfach. Macht euch keine Gedanken darüber, ob ihr einem bestimmten Klischee entspricht oder ob es sich wie die naheliegende Wahl anfühlt. Wenn es euch interessiert, euch herausfordert und euch dazu bringt, mehr lernen zu wollen, lohnt es sich, dem nachzugehen.

Das Ingenieurwesen ist ein unglaublich breit gefächertes Berufsfeld, das Platz für alle möglichen Persönlichkeiten, Fähigkeiten und Interessen bietet. Es gibt nicht den einen typischen Ingenieur, und das ist eines der Dinge, die ich an dieser Branche am meisten liebe.

Ich möchte Menschen dazu ermutigen, neugierig zu sein und Fragen zu stellen. Niemand erwartet von dir, dass du von Anfang an alles weisst. Tatsächlich besteht ein grosser Teil des Ingenieurwesens darin, dabei zu lernen, sich anzupassen und sich weiterzuentwickeln.

Am wichtigesten ist, an deine eigenen Fähigkeiten zu glauben. Wenn du bereit bist, hart zu arbeiten, neugierig zu bleiben und offen zu sein, sind deinen Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Als Ingenieurin kannst du wirklich etwas bewirken, und genau das macht diesen Beruf so lohnenswert.

Wie waren deine Erfahrungen als Frau im Ingenieurwesen?

Ehrlich gesagt habe ich jede Minute davon genossen. Eines der Dinge, die ich am Ingenieurwesen am meisten liebe, ist, dass kein Tag wie der andere ist. Jeder Tag bringt eine neue Herausforderung, ein neues Problem, das es zu lösen gilt, und neue Menschen, mit denen man zusammenarbeitet.

Es gibt das verbreitete Missverständnis, dass Ingenieurwesen ein eher einsames Berufsfeld sei. Tatsächlich gehört es jedoch zu den menschenzentriertesten Arbeitsbereichen überhaupt. Zusammenarbeit, Kommunikation und das Verständnis für die Bedürfnisse anderer stehen im Mittelpunkt all dessen, was wir tun.

Das macht den Job so bereichernd. Die Arbeit, zu der ich beitrage, wirkt sich letztendlich auf echte Menschen aus, und dieses Gefühl, einen Sinn zu haben, schätze ich sehr. Die Möglichkeit zu haben, eine andere Perspektive einzubringen, Selbstvertrauen in meine eigene Stimme zu entwickeln und zu einer inklusiveren Zukunft beizutragen, darauf bin ich sehr stolz. Gehört zu werden und Frauen im Ingenieurwesen zu vertreten – oft in Räumen, in denen ich vielleicht die einzige Frau bin – war für mich sowohl ein Privileg als auch eine Motivation. Das treibt mein Engagement für mehr Vielfalt, Selbstvertrauen und Chancen in diesem Berufsfeld weiter an.

Was bedeutet der International Women in Engineering Day für dich?

Der International Women in Engineering Day steht für Anerkennung und Sichtbarkeit zugleich. Er bietet die Gelegenheit, die Leistungen von Frauen in der gesamten Branche zu würdigen und gleichzeitig deutlich zu machen, wie wichtig es ist, Repräsentation und Inklusion im Ingenieurwesen weiter zu stärken. 

Für mich ist dieser Tag auch ein Anlass, auf meinen eigenen Weg zurückzublicken und an die Menschen zu denken, die mich dabei unterstützt haben. Ohne diese Ermutigung wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Gleichzeitig erinnert sie mich daran, wie wichtig es ist, andere auf ihrem Weg genauso zu unterstützen. 

Vor allem hilft dieser Tag dabei, überholte Vorstellungen davon aufzubrechen, wie ein:e Ingenieur:in aussieht. Sichtbarkeit zählt. Wenn junge Frauen Menschen sehen, mit denen sie sich identifizieren können und die im Ingenieurwesen erfolgreich sind, fällt es ihnen leichter, sich selbst auf einem ähnlichen Weg vorzustellen. 

Deshalb ist dieser Tag so wichtig. Er feiert Fortschritte, stärkt das Selbstvertrauen und inspiriert die nächste Generation dazu, Karrieren in Betracht zu ziehen, die sie zuvor vielleicht nie für möglich gehalten hätten.