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Damit Daten nicht in der «digitalen Schublade» verstauben.

Publiziert 04 November 2024

Interaktive digitale Konstruktionsplanung und technische Zeichnung.

Wer mit Building Information Modelling (BIM) vertraut ist, weiss, welchen Mehrwert es für die erfolgreiche Verwaltung eines Immobilienbestands bietet. Die bereitgestellten Informationen sollen aktiv genutzt und kontinuierlich aktualisiert werden. Doch nicht alle sehen das so. 

Manche beschäftigen sich erst viel zu spät mit BIM – lange nachdem die Planungsbüros beauftragt wurden oder teilweise sogar erst nach Beginn der Bauarbeiten. Dadurch wird BIM faktisch auf eine reine Pflichtübung reduziert. Sein tatsächlicher Mehrwert gerät schnell in Vergessenheit, während die Daten sinnbildlich in einer «digitalen Schublade» verstauben.

Wie können wir das verhindern? Wie können wir andere davon überzeugen, BIM aus einer neuen Perspektive zu betrachten? Und wie stellen wir sicher, dass BIM einen festen Platz im Immobilienmanagement erhält?

Die Antwort ist in gewisser Weise einfach: BIM muss von Beginn an Bestandteil des Planungsprozesses sein. Es darf nicht nachträglich in bestehende Prozesse integriert oder lediglich als formale Anforderung behandelt werden. Im Kern geht es darum, strukturierte Daten bereitzustellen, auf deren Grundlage Kund:innen später fundiertere Entscheidungen treffen können.

Die Analogie mit Lebensmitteletiketten

Ein anschaulicher Vergleich sind die Nährwertkennzeichnungen, die uns täglich im Supermarkt begegnen. Wenn wir verschiedene Produkte miteinander vergleichen, betrachten wir beispielsweise die Nährwertampel mit Angaben zu Salz, Zucker, Kalorien und Fett, um zu entscheiden, welches Produkt am besten zu unseren Bedürfnissen passt. Diese Informationen werden in einem einheitlichen, unmittelbar verständlichen Format dargestellt und erleichtern den Entscheidungsprozess erheblich.

Übertragen wir diesen Gedanken auf die gebaute Umwelt: Wenn wir von Anfang an verstehen, welche Daten erfasst werden sollen, und diese in einer standardisierten, allgemein verständlichen Form bereitstellen, können fundiertere Entscheidungen über die Verwaltung von Gebäuden und Anlagen getroffen werden.

Entscheidend für den Erfolg ist deshalb, von Beginn an die richtigen Fragen zu stellen und die Ziele der Kund:innen zu verstehen. Diese können sehr spezifisch sein. Ist es beispielsweise wichtig, dass CO₂-Emissionen schnell und einfach nachvollzogen werden können? Werden Informationen über Anlagen mit stehendem Wasser benötigt, um das Legionellenrisiko zu minimieren?

Die Ziele zu verstehen und mögliche Risiken frühzeitig zu berücksichtigen, beeinflusst das Ergebnis des BIM-Prozesses entscheidend. Dies gelingt durch eine frühzeitige Einbindung deutlich besser als durch nachträgliche Anpassungen oder allgemeine Standards, die nicht auf die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten sind.

Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht dies: In einem Immobilienbestand wurden neue Datenkabel unter Verwendung der vorhandenen Kabeltrassen nachgerüstet. Es lagen jedoch keine Informationen darüber vor, welche Kabeltypen bereits installiert waren. Dadurch kam es zu Störungen zwischen den neuen und bestehenden Kabeln, die erhebliche Beeinträchtigungen des Betriebs verursachten.

Da wir beim nächsten Projekt frühzeitig mit dem Kundenunternehmen zusammenarbeiteten, konnten wir diese betrieblichen Herausforderungen verstehen und die 3D-Modelle mit eindeutigen Kennzeichnungsinformationen für die Kabeltrassen ergänzen. Diese gezielten Angaben boten dem Kunden einen konkreten Mehrwert und wurden sehr positiv aufgenommen – im Gegensatz zu umfangreichen Datenmengen ohne klaren Zweck. Das Beispiel zeigt, wie einfach eine wirkungsvolle Lösung sein kann und wie viel Zeit und Kosten sich dadurch einsparen lassen.

Verstehen, was einen echten Mehrwert bietet

Damit Daten nicht in der «digitalen Staubschublade» landen, müssen wir bereits zu Beginn eines Projekts verstehen, welche Informationen einen tatsächlichen Mehrwert bieten. Wir müssen wissen, wie geschäftskritische Informationen für Kund:innen erfasst und so dargestellt werden können, dass sie leicht verständlich und unmittelbar nutzbar sind.

Auch hier ist die Lösung vergleichsweise einfach: Anlagen und Bauteile müssen einheitlich klassifiziert und benannt werden, damit sie über den gesamten Immobilienbestand hinweg eindeutig zugeordnet werden können. Ihre Bezeichnungen müssen übereinstimmen. Zudem sollten die Informationen nicht in mehreren voneinander getrennten Systemen gespeichert werden, sondern in einer zentralen, gemeinsamen Datenumgebung.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, weshalb die durch BIM bereitgestellten Daten mitunter ungenutzt in einer digitalen Schublade landen. Das muss und darf jedoch nicht der Fall sein.

Einige Organisationen verfolgen bereits einen anderen Ansatz. Bestimmte öffentliche Fördermittelgebende setzen beispielsweise BIM sowie eine eigene BIM-Manager auf Kundenseite als Förderkriterium voraus. Dadurch wird BIM von Beginn an in die Projektgespräche einbezogen. Die entscheidenden Fragen können frühzeitig gestellt werden, sodass die am Ende bereitgestellten Daten für die Kund:innen relevant und nutzbar sind – und nicht in der digitalen Schublade verschwinden. Damit der tatsächliche Mehrwert von BIM erkannt wird, sollten mehr Kund und Fördermittelgeber diesen Ansatz verfolgen.

Der erste Schritt besteht darin, zu Beginn eines Projekts bewusst innezuhalten und bereits in der strategischen Anfangsphase zu klären, welche Daten den grössten Mehrwert für die sichere und effiziente Verwaltung des Immobilienbestands bieten – heute und in den kommenden Jahren. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass diese Daten einheitlich und zukunftssicher erfasst werden. So schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass BIM künftig nicht mehr in der digitalen Schublade verstaubt.

Von Trevor Strahan, Director, BIM, BakerHicks